Menschen im Augustinum

Von Ton und Tönen

8. Januar 2015

Dieter und Irmgard Rätz werden im Augustinum Essen kreativ

"Eine kreative Ader hatte mein Mann schon immer", erinnert sich die 77-jährige Irmgard Rätz, "aber außerhalb des Berufs hat er sie früher nicht wirklich ausgelebt". Seit Dieter Rätz im Augustinum Essen wohnt, scheint der ehemalige Architekt wie von der Muse geküsst: Die vielfältigen Kursangebote haben es dem heute 82-Jährigen schon bald nach dem Einzug im Jahr 2010 angetan. Was bei der Technik des Aquarellierens beachtet werden muss oder bei welcher Temperatur Ton gebrannt wird - seit vier Jahren weiß Dieter Rätz Antworten auf diese Fragen. Bei der Wahl zwischen Mal- und Töpferkurs entschied er sich für: beides.

Wer durch die Flure im Erdgeschoss des Augustinum Essen geht, stößt auf eine Vitrine, in der verschiedene Tonobjekte ausgestellt sind. Zwei Nashörner blicken einem frech entgegen: Dieter Rätz hat die beiden liebevoll und detailreich im Töpferatelier des Wohnstifts gestaltet, sozusagen als Dankeschön für das Augustinum, dessen Wappentier das Nashorn ist. Meist sind es Tierdarstellungen, die es ihm angetan haben. Spätestens, wenn er anschaulich erzählt, wie er die Tonkörper um einen Papierkern formt, mit so genanntem Schlicker die einzelnen Glieder zusammenfügt und beim Brennen immer wieder hofft, das seine Werke der Hitze standhalten, kommt seine Begeisterung für das Töpferhandwerk zum Vorschein.

Ähnlich euphorisch zeigt sich Dieter Rätz bei seinem anderen Hobby, dem Malen. "Beim Malen hat er eine richtige Entwicklung durchgemacht, das ist faszinierend", sagt Irmgard Rätz. Und ihr Mann ergänzt: "Am liebsten male ich inzwischen Aquarelle. Da gab es einiges zu lernen: Zum Beispiel, dass man auch interessante Ergebnisse erzielen kann, wenn man eine bestimmte Mischtechnik verwendet. Solche Dinge habe ich im Malkurs hier im Augustinum gelernt." Einige der Bilder zieren die Wände des Appartements, andere hat Dieter Rätz verschenkt - oder gar verkauft: Einmal hatte die Kursleiterin ihn gebeten, Postkarten mit stilvollen Vogelmotiven zu verschönern. Diese wurden dann auf einem Basar für einen guten Zweck verkauft und waren prompt vergriffen.

Nicht nur die bildenden Künste haben es dem Junggebliebenen angetan, auch seiner Lust am Singen kann Dieter Rätz im Augustinum Essen nachgehen. Gemeinsam mit seiner Frau ist er im Singkreis des Augustinum und im hauseigenen vierstimmigen Chor aktiv. "Ich habe mein Leben lang im Chor gesungen und war froh, auch hier eine Möglichkeit zu finden", sagt Irmgard Rätz. Im vierstimmigen Chor übernimmt sie manchmal einen außergewöhnlichen Part: Da in der Truppe ein kleiner Mangel an Männerstimmen herrscht, gesellt sie sich bei manchen Liedern zum Tenor, um die Herren dort zu unterstützen. Und wenn das Ehepaar nicht gerade selbst auf der Bühne steht, genießt es Musik auch aus der Publikumswarte. "Wir nutzen das vielfältige Kulturangebot hier im Haus sehr gerne", schwärmt Irmgard Rätz. "Und wenn nach den wirklich erstklassigen Konzerten noch ein Gläschen Wein angeboten wird, sagen wir meistens nicht Nein und lassen den Abend gemütlich ausklingen."