Einmal Polarkreis und zurück

30. April 2014

Wolfgang Kleinhempel erkundet per Frachtschiff die Meere - sein Heimathafen ist das Augustinum Hamburg.

Wolfgang Kleinhempel erinnert sich noch genau an den Tag, an dem er das Augustinum Hamburg zum ersten Mal gesehen hat. Er erzählt von der Begegnung wie mancher von der ersten großen Liebe: "Schicksal" sei es für den ehemaligen Maschinenbauingenieur gewesen, der damals noch im westfälischen Minden wohnte. Bei einer Schiffreise, die den Hamburger Hafen passierte, sei ihm das imposante Backsteingebäude aufgefallen. "Das ist ein Seniorenheim", habe ein anderer Passagier ihm knapp erklärt. Die Idee, eines Tages am Ufer der Elbe zu wohnen, begeisterte ihn sofort. Er recherchierte im Internet, stieß auf das Augustinum und richtete bereits wenige Jahre später sein neues Zuhause inklusive Hafenblick mit seinen Möbeln samt Modellschiffsammlung ein.

Der Fahrgast auf dem Schiff hatte sich allerdings getäuscht. "Das ist eben kein Seniorenheim", betont Wolfgang Kleinhempel. "Ich genieße die Freiheit hier, die ist einmalig", fasst der 69-Jährige zusammen, was er am Augustinum am meisten schätzt. Für ihn bedeutet das, ungebunden zu sein und zugleich rundum versorgt. Und seine Freiheit nutzt Wolfgang Kleinhempel, so oft er kann: Für Spaziergänge und Fährfahrten, für das Fotografieren von Motiven rund um den Hafen oder fürs Schnitzen von kleinen Segelbooten im Hobbyraum des Augustinum. "Mein Problem ist: Ich habe zu viele Hobbys!" scherzt er. Und die sollten im Augustinum sogar noch mehr werden: Ein befreundeter Bewohner des Augustinum, 84 Jahre alt, hat ihn im letzten Sommer zu einer ganz besonderen Reise überredet.

Im Juni 2013 haben sich die beiden Herren einer Frachtschiffbesatzung angeschlossen und die Crew auf ihrer Fahrt durch die Ostsee bis an den Polarkreis nach Oulu im Norden von Finnland begleitet. "Eigentlich nehmen sie auf einem Containerschiff keine älteren Menschen mit. Aber wir sind ja fit!" schmunzelt Wolfgang Kleinhempel. Die Unterbringung war spartanisch, gegessen wurde zusammen mit der Mannschaft. "Selbstbedienung - und sehr einfache Speisen. Es kümmert sich keiner um einen, da haben die keine Zeit." Dabei sei der Umgang aber immer sehr nett gewesen, besonders mit den Philippinos, mit denen sie am Tisch saßen. Für den technikinteressierten Wolfgang Kleinhempel war es eines der Highlights, auf der Brücke dem Steuermann beim Navigieren über die Schulter schauen zu dürfen. Und wenn gerade gutes Wetter war, konnte er sich auf Deck die Sonne aufs Gesicht scheinen lassen.

Für den kommenden Sommer ist bereits die nächste Reise geplant. "Dann geht es mit einem Frachtschiff über England nach Dänemark und Schweden." Dabei ist das Augustinum sozusagen der Heimathafen für den jung gebliebenen Wolfgang Kleinhempel. "Manchmal kann ich es gar nicht glauben: Ich bin hier nicht zu Gast, ich bin zuhause. Und wenn ich dann abends im Restaurant unter der Glaskuppel sitze und ringsum die Lichter der Stadt funkeln, bin ich einfach glücklich."