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3. September 2014

Krimiladys im Augustinum Dortmund bekennen sich

Das Augustinum Dortmund feiert in diesem Jahr sein 35-jähriges Jubiläum. Rund 250 Menschen leben in dem Seniorenwohnstift in idyllischer Lage und machen das Augustinum zu dem, was es ist: ein Ort der Vielfalt und des selbstbestimmten Lebens im Alter. Was das bedeutet, wissen sieben Damen, die im Augustinum nicht nur zuhause sind, sondern dort ungeniert Morde planen und durchführen lassen. Von Reue keine Spur: Die rüstigen Frauen stehen zu ihren Taten.

Gut einhundert Jahre ist es her, dass Agatha Christie sich an ihren ersten Kriminalromanen versuchte. Damals war sie noch in einer Londoner Apotheke angestellt und erwarb dabei ihr Wissen über verschiedene Giftstoffe. So entstand in dieser Zeit auch ihr erster Krimi, der sich um einen Giftmord dreht. Ein Jahrhundert später und sechshundert Kilometer weiter östlich veröffentlichen fünf Bewohnerinnen des Augustinum Dortmund im Frühjahr 2011 ihren ersten Krimi. "Die Tote in der Bittermark" heißt er und beinhaltet eine verworrene Geschichte um einen - Giftmord.

An Agatha Christies Romanen wollen die Teilnehmerinnen der Ideengruppe Tatort Augustinum ihren Krimi nicht messen. Dennoch machen beide Entstehungsgeschichten deutlich, worauf es beim Krimischreiben ankommt: auf ein inspirierendes Umfeld. "Es ist immer wichtig, sich zu fragen, ob die Geschichte auch glaubhaft ist", betont Christiane Havemann, Kulturreferentin im Augustinum Dortmund und Initiatorin der Ideengruppe. Dabei sind die vielfältigen Lebensläufe der Bewohnerinnen des Augustinum Gold wert. So konnten die Erfahrungen einer ehemaligen Kriminalkommissarin ebenso zu einer plausiblen Handlung beitragen wie das Wissen einer früheren Apothekerin. "Im Krimi steckt etwas von jeder einzelnen Teilnehmerin", weiß Christiane Havemann, die den Krimi letztlich zu Papier brachte.

Das Erstlingswerk der kreativen Truppe kam so gut an, dass es nach kurzer Zeit vergriffen war. Nicht zuletzt deshalb widmeten sich die Krimidamen schon bald einer neuen Geschichte und veröffentlichten im Frühjahr 2014 in leicht veränderter Besetzung ihren zweiten Krimi: "Die Macht der Musik". Dabei ist es für die inzwischen siebenköpfige Frauentruppe mit dem Schreiben längst nicht getan. In Lesungen präsentieren sie ihr Werk und stehen neugierigen Zuhörern bei Fragen rund um die Entstehung des Krimis Rede und Antwort. Für treue oder zukünftige Fans gibt es zudem die Möglichkeit, sein Buch von den Autorinnen signieren zu lassen.

Auch im Augustinum Dortmund ist noch kein Meister vom Himmel gefallen. Christiane Havemann weiß daher von charmanten Einfällen zu berichten, die in der Anfangsphase der Gruppe aufkamen und wieder verworfen wurden: "Erst haben wir eine Ente aus unserem Teich sterben lassen - aber das war dann doch etwas dürr", lacht die Kulturreferentin. Die Krimiladys wissen: Mit dem richtigen Personenkarussell steht und fällt der ganze Roman. "Zunächst denken wir uns das Personal aus, erst dann den eigentlichen Mord", sagt Margret Thomas. Und ihre Mitbewohnerin Hiltrud Aßhoff erklärt: "Die Personen sind alle frei erfunden, auch wenn wir uns hier und da haben inspirieren lassen." So besitzt eine Figur, die in beiden Krimis auftaucht, Amanda Backhaus, Charakterzüge einer allseits beliebten Bewohnerin, die inzwischen verstorben ist. "Die Figur ist ein bisschen vom Typ Miss Marple", schmunzelt Christiane Havemann. Wenn es bei den Krimidamen so erfolgreich weiter geht, wird es vielleicht irgendwann heißen: Miss Marple - die ist doch ein bisschen vom Typ Amanda Backhaus ...