Menschen im Augustinum

„Fange nie an aufzuhören, höre nie auf anzufangen“

29. Mai 2019

Roland Wiedemann aus dem Augustinum Heidelberg hat seit dem Ruhestand schon 30 Mal das Deutsche Sportabzeichen in Gold abgelegt.

Anruf bei Roland Wiedemann in Heidelberg: Bevor er zum wöchentlichen Gehirnjogging geht, erzählt der Augustinum-Bewohner von den vielen Sportarten, die er in seinem Leben schon betrieben hat – und vom Deutschen Sportabzeichen, das er im vergangenen Jahr zum 30. Mal in Gold erhielt.  

Roland Wiedemann hat vor kurzem seinen 95. Geburtstag gefeiert. Immer schon hat er Sport getrieben, immer auf hohem Niveau. Das hat er auch im Alter so beibehalten, und ist dabei seinem Motto „Fange nie an aufzuhören, und höre nie auf anzufangen“ stets treu geblieben. Mit dem Sportabzeichen hat er vor 30 Jahren begonnen, als er in Rente ging, und sich seitdem jedes Jahr erneut den Prüfungen gestellt.

Ausdauer und Kraft

Das Sportabzeichen ist die höchste Auszeichnung außerhalb des Wettkampfsports und wird vom Deutschen Olympischen Sportbund verliehen; geprüft werden Ausdauer, Kraft, Schnelligkeit und Koordination, jeweils angepasst an Alter und Geschlecht. Die höchsten Anforderungen stellt das Sportabzeichen in Gold dar; der rüstige Bewohner des Augustinum Heidelberg schaffte sie locker und erreichte jedes Mal Bestwerte: Im vergangenen Jahr waren es 5 Minuten, 50 Sekunden beim Schwimmen auf 200 Meter und 28,3 Sekunden auf 25 Meter, 7,70 Meter Weitwurf mit dem Medizinball und 26 Durchschläge beim Seilspringen.  

Dem Wasser verbunden

Wie viele seiner Generation hat Roland Wiedemann mit dem Geräteturnen angefangen – viel mehr gab es nicht im Angebot des Schulsports der 30er Jahre – und danach kaum eine Sportart ausgelassen. Feldhandball, Tennis, Rennradfahren, Skilanglauf, Windsurfen ... „Immer, wenn etwas Neues kam, habe ich es ausprobiert“, erzählt er. So auch das Tauchen, das über mehrere Jahrzehnte zu einer besonders gerne geübten Sportart für ihn wurde. „Meinen Tauchschein habe ich 1968 auf Korfu gemacht und war damit einer der ersten Taucher in Deutschland“, sagt Wiedemann. „Mit 50 habe ich das Goldene Tauchsportabzeichen erworben und bin dem Tauchsport treu geblieben bis ich 90 war.“ Denn das Tauchen konnte er immer auch mit seiner zweiten Leidenschaft, dem Reisen, verbinden: Australien, Nordamerika, viele Länder Afrikas und Asiens – in allen Weltmeeren ist er getaucht, war 30 Mal mit seiner Frau auf den Malediven und konnte sich dort sogar in Dhivehi, der Amtssprache, mit den Einheimischen verständigen.  

Auch bei der Wahl des Augustinum spielten für die Wiedemanns sportliche Kriterien eine entscheidende Rolle: Das Schwimmbad, in dem Roland Wiedemann jeden Morgen 600 Meter krault, die gute Ausgangslage für Ausflüge, die vielen Angebote, um Körper und Geist fit zu halten. Seinen Geburtstag hat er mit seiner Wandergruppe gefeiert, mit der er regelmäßig die umliegenden Weinberge und Waldwege erkundet. Heute früh hat er bereits eine englische Zeitung gelesen. Und jetzt, ja jetzt muss er wirklich los zum Gehirnjogging.