Menschen im Augustinum

„Es fühlt sich an wie nach Hause zu kommen“

19. Juni 2019

Als junge Frau hat Cordelia Koppitz vor 50 Jahren ihren Freiwilligendienst im Augustinum geleistet – heute sind sie und ihr Mann selber Bewohner im Freiburger Haus.

Service, Empfang, Kulturprogramm - Cordelia Koppitz kennt sich aus mit Arbeiten im Augustinum. An ihrem ersten Arbeitstag im Restaurant im Jahre 1965 erklärte ihre Chefin: "Dort sitzt Oberst X., der bekommt Kaffee mit Milch, ohne Zucker, links von ihm Frau von M., die bekommt ein Kännchen mit heißem Wasser, am nächsten Tisch ...". So ging es in großer Geschwindigkeit weiter, bis sich der ganze Saal mit imaginären Bewohnern gefüllt hatte, und natürlich wurde von der neuen Mitarbeiterin erwartet, dass sie alle Angaben sofort für sich speicherte und umgehend umsetzte.

 


Bild: In den 60er Jahren nahmen die Philas auch am Tanzprogramm der Faschingsbälle im Augustinum teil. Zum Einstudieren der Choreographie wurde eigens der Ballettmeister des Münchner Gärtnerplatztheaters engagiert.

Déjà-vu im Restaurant

Gut 50 Jahre ist das her, und inzwischen ist Cordelia Koppitz selbst Bewohnerin im Augustinum Freiburg. Seit Juli lebt sie hier mit ihrem Mann, und zuweilen hat sie das Gefühl eines Déjà-vu: "Es hat sich natürlich viel verändert, das Restaurant zum Beispiel ist jetzt deutlich eleganter, aber manche Dinge sind auch gleich geblieben wie die Typographie der Augustinum-Schrift", freut sich Koppitz. Dann werden Erinnerungen wach. An das Jahr 1965, in dem sie als frischgebackene Abiturientin gemeinsam mit etwa 30 anderen jungen Frauen das sogenannte Philajahr im Münchner Stammhaus begann und dort Menschen und Ideen fand, die sie ihr Leben lang begleiteten. Bis heute hat Cordelia Koppitz gute Freundschaften, die damals "im Stift" entstanden waren. Und früh stand für alle fest, dass sie sich eines Tages im Augustinum wieder sehen würden. Auch wenn im Laufe der Jahre anderes in den Vordergrund rückte - fünf Kinder, berufliche bedingte Umzüge, darunter 12 Jahre in den USA - ist diese Idee immer geblieben.

"Die Vision eines Lebens im Alter, wie sie die Augustinum-Gründer hatten, hat mich schon damals überzeugt. Das ist der Grund, warum wir heute hier sind" meint Cordelia Koppitz, und ihr Mann, den sie während des Studiums in München kennenlernte, ergänzt: "Mir wurde die Idee schon früh sehr nahe gebracht." Er kennt das Augustinum übrigens ähnlich lange wie seine Frau - als Student stand er mit der Theatergruppe der Evangelischen Studentengemeinde auf der Bühne des Münchner Hauses.

Neuanfang in gewohnter Umgebung

Jetzt ins Augustinum einzuziehen fühlt sich an wie nach Hause zu kommen, sagt Koppitz und hat mit ihrem Mann dennoch einen Neuanfang gewagt. Vor 13 Jahren sind die beiden nach Freiburg gezogen, in eine Ecke von Deutschland, die sie noch nicht kannten. Und nun aus der Stadt hinaus ins Grüne, was wörtlich zu verstehen ist, denn die Terrasse der neuen Wohnung im Augustinum verbindet sich fast übergangslos mit dem Park des Hauses. Die weitere Umgebung erkundet Peter Koppitz zurzeit mit der Wandergruppe. Beide waren bereits in den vergangenen Jahren immer wieder bei Veranstaltungen im Augustinum zu Gast und haben sich nach ihrem Einzug sofort wohl gefühlt in ihrem neuen Zuhause. "Mitbewohner und Mitarbeiter machen es einem sehr leicht", findet Cordelia Koppitz. "Jeder wusste sofort unseren Namen, und wir kannten keinen einzigen." Die Sache mit dem Namen-Lernen geht also weiter, auch wenn aus der Mitarbeiterin inzwischen eine Bewohnerin geworden ist.