Ratgeber Leben im Alter

Inneres und äußeres Gleichgewicht dank Yoga

4. Januar 2011,
Yoga-Betreutes-Wohnen-Augustinum

Eine Studie der Yale University ergab, dass Yoga hohen Blutdruck senkt. Hirnforscher konnten sogar messen, wie sich durch die Übungen Stress verringert. Was noch vor einigen Jahrzehnten als exotische Meditation für eine Minderheit galt, ist heute eine weltweite Trendsportart. Besonders Senioren können von den sanften Bewegungsabläufen und Atemübungen profitieren.

Reise ins Innere

Sechs Frauen sitzen im Stuhlkreis, ihre Hände liegen auf den Oberschenkeln, die Handflächen zeigen nach oben. Es ist so still, dass man eine Stecknadel fallen hören könnte. Im Clubraum der Augustinum Seniorenresidenz München-Neufriedenheim beginnt die Yoga-Stunde. An dem hellen, verglasten Raum gehen Menschen vorüber, vor dem Fenster flattern und picken Amseln. Doch die fünf Teilnehmerinnen lassen sich durch nichts ablenken. In der Anfangs-Entspannung reisen sie Schritt für Schritt in ihr Inneres und konzentrieren sich dabei auf jedes einzelne Körperteil. „Wir schicken Licht und Luft in unsere Lunge“, begleitet sie die beruhigende Stimme von Yoga-Lehrerin Edith Stankewitz. Alle inneren Organe wie Niere oder Leber, selbst die Fingerspitzen und die Gesichtsmuskeln werden in die Meditation einbezogen.

Yoga im Sitzen

Schon die ersten Minuten haben eine sichtbare Wirkung: Erfrischt recken und strecken sich die Frauen, ihre Bewegungen sind jetzt schon fließender, ihre Gesichtszüge weicher. „Yoga harmonisiert alle körperlichen, geistigen und seelischen Abläufe“, erklärt Edith Stankewitz, die seit sieben Jahren selbst regelmäßig die alte indische Gesundheitslehre praktiziert und seit drei Jahren als ausgebildete medizinische Yoga-Lehrerin Kurse gibt. Damit auch Senioren von der positiven Wirkung profitieren können, hat sie die klassischen Bewegungsabläufe so angepasst, dass man sie auch auf einem Stuhl sitzend ausüben kann.

Stoffwechsel kommt in Schwung

„Planetengruß“ heißt eine solche Übung, bei der die Teilnehmerinnen die Arme in die Luft strecken und sich dann in einem großen Bogen nach vorne in Richtung ihrer Füße beugen. Auch der Drehsitz, bei dem sich die Frauen langsam zu den Seiten wenden, funktioniert auf einem Stuhl. „Stoffwechsel und Blutkreislauf werden dadurch angeregt. Außerdem wird die Wirbelsäule kräftiger und beweglicher“, erklärt Stankewitz. Wenn der Kopf nach unten gebeugt wird, bekommt auch das Gehirn positive Impulse, wodurch sich die Konzentration verbessert, so die Yoga-Lehrerin. Nach jeder Bewegungssequenz fordert Edith Stankewitz die Teilnehmerinnen auf, nachzuspüren. Denn erst im Anschluss entfalte sich die volle Wirkung.

Die Welt umarmen

Wenn in der zweiten Hälfte der Yoga-Stunde die Übungen im Stehen an der Reihe sind, haben die Teilnehmerinnen bereits ihren Körper mit der Yogi-Atmung gereinigt und entschlackt, ihre Beweglichkeit verbessert, ihre inneren Organe massiert und ihre Durchblutung verbessert. Eine Teilnehmerin ist heute zum ersten Mal dabei. Sie ist überrascht, wie gut sie auf einmal das Gleichgewicht halten kann. „Der Held“ heißt eine Übung, bei der die Frauen die Arme öffnen, als ob sie die Welt umarmen wollten. „Der Baum“ macht sogar die letzte Knie-Operation vergessen – anmutig heben alle die gefalteten Hände nach oben, und für einige Augenblicke balancieren sie sogar auf einem Bein.

Entspannt und erfrischt zugleich

Bevor die Teilnehmerinnen für die Schluss-Entspannung wieder die Reise nach Innen antreten, reiben sie die Handflächen und legen sie auf das Herz, auf Ohren und Augen. Die Gedanken beruhigen sich, das Blut pulsiert beschwingt durch die Adern, alle Sinne sind erfrischt, und ein rosiger Schimmer liegt auf den Wangen der Frauen. Mit dem Duft eines ätherischen Öls und Meditationsmusik lässt Edith Stankewitz die Yoga-Stunde ausklingen.