Ratgeber Leben im Alter

Bridge – Fitnesstraining fürs Gehirn

4. Januar 2011,
Bridge-für-Senioren-Demenz-vorbeugen

Schon seit vielen Jahren spielen Bewohner im Augustinum Bridge. Dass das Bridge-Fieber auch immer jüngere Altersgruppen erfasst, wundert die Senioren nicht. Sie wissen schon lange, dass man mit diesem Denksport sein Gedächtnis und sein logisches Denken trainieren kann. Und das in angenehmer Gesellschaft.

Im Saal der Augustinum Seniorenresidenz Bad Neuenahr herrscht Hektik. Alle laufen kreuz und quer, eine bunte Menge, viele Stimmen. An der Wand sind Listen aufgehängt. Dorthin wollen alle. Jetzt wird es spannend, an welchem Tisch wird man spielen und mit wem? Quadratische, grün bezogene Spielflächen mit Kartenhaltern stehen bereit, ausgelegt für je vier Spieler. Als das Turnier beginnt, herrscht schlagartig Stille. Wer einen Blick in die Runde wirft, begreift, was mit dem Ausdruck „Pokerface“ gemeint ist. Aber nicht Poker wird hier gespielt, sondern Bridge.

Was im Turnier zählt, ist einzig und allein das Können. Denn Bridge ist ein Sport und seit 1998 sogar eine olympische Disziplin. Weltweit spielen etwa 60 Millionen Menschen Bridge. Logisch-kombinatorische Fähigkeiten sind gefragt, aber auch ein psychologisches Gespür, wenn man wie ein Detektiv versucht, der Strategie des Gegners auf die Schliche zu kommen. Man muss sich konzentrieren und möglichst viel mit dem Partner kommunizieren. Nicht Eingeweihte wundern sich oft über die Fachsprache, die an den quadratischen grünen „Spielwiesen“ der Bridge-Spieler gesprochen wird. Durch das Zusammenspielen mit einem Partner bilden sich oft feste Bridge-Paare, die regelmäßig in derselben Kombination spielen.

„Zum Anfangen sollte man am besten einen Kurs machen“, rät eine 89-jährige Bewohnerin, „damit man sich nichts Falsches angewöhnt, was man sich später wieder abgewöhnen muss.“ Der Deutsche Bridge-Verband (DBV) bildet seit Mitte der 90er Jahre Bridge-Lehrer und Übungsleiter aus, die alle Anfänger nach der gleichen Methode unterrichten. In vielen Wohnstiften des Augustinum gibt es jedoch auch Könner, die Interessierten weiterhelfen können.

Die Unterrichtsmethode der lizenzierten DBV-Lehrer nennt sich „Forum D“. Sie beinhaltet einen ersten Kurs im Minibridge, in dem die Spieler an das Spiel der Karten herangeführt werden, ohne sofort die komplexe Reizung lernen zu müssen. Die kann man sich dann in weiterführenden Kursen aneignen. Das Schöne am Bridge ist, dass es umso faszinierender wird, je mehr man lernt. Es ist ganz normal, dass man erst mal zwei Jahre als Anfänger gilt. Aber es lohnt sich: Da Bridge auf der ganzen Welt nach den gleichen Regeln gespielt wird, kann man damit überall nette Menschen kennenlernen.

Last but not least sei noch erwähnt, dass die Gesamtzahl aller möglichen Verteilungen beim Bridge eine Zahl mit 29 Nullen ergibt. Ein Bridgespieler-Leben wird also nicht reichen, um dieselbe Kartenverteilung ein zweites Mal aufzunehmen. Jedes neue Spiel ist deshalb immer wieder spannend und stellt seine ganz neue Herausforderung an die kleinen, grauen Zellen dar.