Ratgeber Leben im Alter

Kleine Bewegungen mit großer Wirkung

4. Januar 2011,
Kinesiologie-für-Senioren

Mit der „Denkmütze“, den „Gehirnknöpfen“ oder der „Überkreuzbewegung“ können Hören, Sehen und Gehen verbessert werden. Was man dafür braucht? Nichts, außer ein paar Minuten Zeit, etwas Konzentration und ein Quäntchen Neugier für kinesiologische Übungen.

Kinesiologie ist die Lehre von der Bewegung und beschäftigt sich mit dem Zusammenspiel von Nerven, Muskeln und Knochen sowie ihrem Einfluss auf die Körperhaltung und die Bewegungsabläufe. Vereinfacht kann man sagen: Die Kinesiologie geht davon aus, dass Muskeln über Meridiane mit den Organen verbunden sind. Über Druck auf die Muskeln kann man deshalb etwas über die Organe erfahren oder Einfluss auf sie ausüben. Ziel der Kinesiologie ist es, Bewegung in festgefahrene Bewegungs- und Verhaltensmuster zu bringen und damit auch auf der geistigen und seelischen Ebene positive Veränderungen hervorzurufen. Ausgeübt werden kinesiologische Muskeltest und Übungen in Einzeltherapien oder unter Anleitung in einer Gruppe. Manche der Übungen sind sogar so einfach, dass man sie alleine zuhause machen kann.

Die „Denkmütze“

Mit Daumen und Zeigefinger wird der Rand der Ohrmuschel von innen nach außen und von oben nach unten zum Ohrläppchen hin massiert. Der Kopf befindet sich dabei in der Waagerechten und ruht mittig auf dem Hals.

Gemäß der Akupunktur ist der gesamte Mensch in den Ohr-Akupunktur-Punkten repräsentiert, so dass das Ausstreichen der Ohren einer Ganzkörpermassage gleicht. Die „Denkmütze“ regt den Hörsinn an und aktiviert das Gleichgewichtsorgan im Innenohr. Man hört die eigene Stimme besser, kann ablenkende Töne aussieben, und die Aufmerksamkeit erhöht sich. Die Atmung wird tiefer, Kiefer-, Zungen- und Gesichtsmuskulatur entspannen sich, und der Kopf lässt sich leichter nach rechts und links drehen.

„Gehirnknöpfe“ oder „Einschaltpunkte“

Die eine Hand wird auf den Bauchnabel gelegt und berührt oder massiert diesen Bereich. Die andere Hand berührt mit gespreizten Fingern die beiden Akupunktur-Punkte rechts und links neben dem Brustbein, direkt in dem Grübchen unter dem Schlüsselbein, und massiert diesen Bereich. Dann wechseln die Hände.

Diese Übung regt den Stoffwechsel im Gehirn an, das Reaktionsvermögen im Gehirn wird schneller, und der Körper kann in der Ruhe und im Stehen besser ausbalanciert werden; der Körper richtet sich auf der Mittellinie aus. Sauerstoff gelangt besser ins Gehirn, und müde Augen werden wieder munter, so dass auch das Sehen und Lesen wieder leichter fällt.

„Überkreuz-Bewegung“

Abwechselnd berührt die rechte Hand das linke angehobene Knie bzw. die linke Hand das rechte angehobene Knie. Die Übung kann gesteigert werden, indem der Ellbogen das Knie berührt. Anschließend berührt die rechte Hand hinten den angehobenen linken Fuß, und die linke Hand berührt hinten den angehobenen rechten Fuß.

Durch diese Vernetzung der beiden Gehirnhälften können beidseitige Bewegungen besser koordiniert werden, beidseitiges Hören wird genauer, das Verständnis für gesehene und gehörte Informationen verbessert sich, man wird aufmerksamer, und das Interesse steigt. Körperbewegungen lassen sich besser koordinieren, so dass man sicherer gehen und laufen kann und ein besseres Gefühl für den Raum bekommt. Die Atmung intensiviert sich, und man hat mehr Ausdauer.

Übungen für Alt und Jung

„Kinesiologische Übungen sind leicht. Kinder, Erwachsene, Senioren und behinderte Menschen können sie im Liegen, Sitzen oder Stehen machen“, sagt Ingeborg L. Weber, Gründerin der Internationalen Kinesiologie Akademie in Frankfurt-Bergen. In Einzelsitzungen und in Gruppenarbeit mit Senioren hat sie herausragende Ergebnisse beobachtet. So konnte ein Teilnehmer wieder besser die Treppe hinauf und hinunter gehen. „Wenn ich jetzt die Straße entlang gehe, sehe ich nicht nur die Straße“, berichtete eine Teilnehmerin. Eine andere Teilnehmerin, die zu erblinden drohte, konnte mit Hilfe kinesiologischer Übungen sogar wieder die Zeitung lesen.