Ratgeber Betreutes Wohnen

Hilfe bei Demenzerkrankungen

4. Januar 2011,
Schillhuber-Demenz-Betreuung

Fritz Schillhuber, Fachberater der Augustinum Seniorenresidenzen zum Thema Demenz

Vierzig Jahre verheiratet, die Kinder sind großgezogen, manche Stürme des Lebens gemeistert. Wird dann beim Partner Demenz diagnostiziert, erschüttert das eine Beziehung zutiefst. Wäre man bloß nicht zum Arzt gegangen, vielleicht hätte man den Status Quo mit Gedächtnistraining aufrecht erhalten, vielleicht wäre die Krankheit nicht aufgefallen …

Claudia Bayer-Feldmann, Vorsitzende der Alzheimer Gesellschaft München e.V. , und Fritz Schillhuber, Fachberater der Augustinum Seniorenresidenzen zum Thema Demenz, kennen die Sorgen und Nöte der Betroffenen. „Heute gibt es viel mehr Unterstützung als früher, darum sollte man sich so früh wie möglich informieren und Hilfe holen“, so die Experten. Wer bei verdächtigen Symptomen zum Arzt geht, kann mit Medikamenten den Krankheitsverlauf vielleicht verlangsamen, um in Ruhe zusammen mit dem Partner vorzusorgen und Entscheidungen über spätere Schritte wie eine Patientenverfügung oder einen Einzug in eine Seniorenresidenz zu treffen.

„Demenz ist eines der größten Tabus“, sagt Schillhuber, „man verspricht sich selbst und der Familie, dass man sich für den Partner aufopfern wird.“ Dabei stößt fast jeder, der einen Demenzkranken zu Hause pflegt, bald an seine Grenzen, weiß Bayer-Feldmann aus der Praxis. Informationsmaterial, Beratungen und Selbsthilfegruppen bieten Rüstzeug für den Umgang mit Vorwürfen und Schuldgefühlen. „Viele, die sich Hilfe holen, glauben, sich vor Nachbarn, Freunden oder den Kindern rechtfertigen zu müssen,“ hat Bayer-Feldmann in der langjährigen Begleitung von Angehörigen erfahren.

Wer im Augustinum lebt, hat für den Fall einer Demenz, ob sie nun beim Partner oder bei einem selbst diagnostiziert wird, bereits vorgesorgt. Schon das dichte Betreuungsnetz im Wohnstift sorgt für eine enorme Erleichterung bei alltäglichen Verrichtungen. Kombiniert mit der besonderen Tagesbetreuung für demenzkranke Bewohner, dem sogenannten Treffpunkt, und der Pflege im eigenen Appartement, ist für alle Eventualitäten gesorgt – eine enorme Erleichterung, auch für Paare, in denen einer der beiden Partner von Demenz betroffen ist. Im Treffpunkt finden Bewohner Ansprache, Geborgenheit und Tätigkeiten, die den Tag strukturieren. Aktivierung und Förderung stehen auf dem Programm, wie zum Beispiel Gedächtnistraining oder kleine Veranstaltungen.

So bekommt jeder seine Freiräume, der Demenzkranke ebenso wie sein Partner. „Oft stehen demenzkranke Menschen unter einem Leistungsdruck, keine Fehler zu machen und den Partner nicht zu verärgern“, betont Schillhuber. Gut betreut und liebevoll behütet können sie sich im Augustinum zurückziehen und nach ihrem eigenen Rhythmus leben, jedoch ohne vom Partner getrennt zu sein. Auch der gesunde Partner behält seine Lebensqualität, braucht keine schlaflosen Nächte zu haben, kann Freundschaften pflegen, in Konzerte gehen und sogar verreisen. Der intensive Kontakt und die Verantwortung für den Partner geben beiden ein gutes Gefühl. Denn für den Kranken ist der Gesunde das Gedächtnis, die Verbindung zu seinem früheren Leben. Und der Gesunde fühlt sich gebraucht und kann sich um seinen Partner kümmern, ohne sich dabei selbst aufgeben zu müssen.