Neues aus dem Augustinum

Film ab! Mit Videos reden Gehörlose mit

16. April 2013,

Gehörlose Schülerinnen der Samuel-Heinicke-Realschule nehmen am Video-Camp des Bayerischen Rundfunks (BR) "CamON" teil. Diese Kooperation mit dem BR startet beim Wettbewerb "Mixed Up".

oYouTube und Co beweisen: Visuelle Medien reißen Mauern zwischen Gehörlosen und Hörenden ein. Schon lange wollte Julia Schülner, Lehrerin und Gebärdensprach-Pädagogin an der Samuel-Heinicke-Realschule (SHR) des Augustinum in München, deshalb eine Film-AG ins Leben rufen. Auslöser, die Idee in die Tat umzusetzen, war ein Video-Camp des Bayerischen Rundfunks, bei dem sechs gehörlose Schülerinnen der Samuel-Heinicke-Schule teilnahmen.

Insgesamt 50 Jugendliche im Alter zwischen 13 und 21 Jahren aus verschiedenen Schulen in ganz Bayern erfuhren im vergangenen November bei "CamON - Video in der Schule" auf dem Studiogelände des Bayerischen Fernsehens in München-Freimann, wie professionelle Filme gemacht werden, von Kameraeinstellungen über Redaktion und Beleuchtung bis hin zum Schneiden am Computer.

Julia Schülner, die auch ausgebildete Mediengestalterin ist, leitet nun eine Filmgruppe an der Samuel-Heinicke-Realschule für Hörgeschädigte, die bereits am Abschlusswettbewerb von CamOn beim Bayerischen Rundfunk mit einem eigenen Beitrag teilgenommen hat. Jetzt hat der Bayerische Rundfunk diese Kooperation mit der Samuel-Heinicke-Schule und den daraus entstandenen Film beim Wettbewerb Mixed Up, der 2013 das Thema "Inklusion" hat, eingereicht. Der Wettbewerb wird ausgelobt vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) und der Bundesvereinigung Kulturelle Kinder- und Jugendbildung e.V. (BKJ).

Anfangs war nicht sicher, ob sich auch gehörlose Schülerinnen bei "CamON" beteiligen könnten, am Ende bedankten sich die Mitarbeiter des Bayerischen Fernsehens für die Bereicherung durch das Thema "Gehörlose": Der Workshop diene schließlich nicht nur dazu, den jungen Leuten etwas beizubringen, sondern auch umgekehrt von ihnen für die Zukunft des Fernsehens zu lernen. Durch die Schülerinnen der SHR sei auch die Ergänzung der Filme durch Untertitel ins Projekt gekommen, so Schülner. Nur 30 Prozent aller Fernsehbeiträge seien untertitelt - Gehörlose würden sich mehr wünschen.

"Es war sehr mutig von unseren Schülerinnen, sich zwischen all den gut Hörenden zu behaupten und offen über die Gehörlosen-Thematik zu sprechen", so Julia Schülner. Beim Video-Camp hat sie eine Woche lang zusammen mit ihrer Praktikantin Hannah Schaufelberger täglich acht Stunden zwischen Fernsehleuten und Schülern mit Gebärden vermittelt.