Menschen im Augustinum

Die Töpferwerkstatt im Augustinum München-Nord

3. August 2009,
Töpferkurs-Betreutes-Wohnen-München

Die Töpferwerkstatt im Augustinum München-Nord ist nicht nur kreativer Treffpunkt. Hier plaudert man auch über dies und das, tauscht Erinnerungen aus und genießt die Gemeinschaft. Alle arbeiten mit demselben Material, und doch könnten die Ergebnisse nicht unterschiedlicher sein. In einer Vitrine im Foyerbereich des Augustinum München-Nord stellen Marianne Ritz, Erika Groth, Verena Knape, Dr. Ursula Strohm und Hermine Guggenberger vom Töpferkurs laufend ihre neuesten Werke aus: Da gibt es vielteilige Wochenmarktszenen, Ausschnitte aus Märchen, Teller, Glücksschweinchen mit Münzen in der Schnauze, Teelichte in Form von Blüten und Kacheln mit filigranen Abdrucken von Häkelspitzen. In Gemeinschaftsarbeit entstand beispielweise die große Weihnachtskrippe für die Kapelle und in diesem Jahr soll der Töpferkurs Schilder für die Pflanzen einer Kräuterschnecke herstellen, die im Park des Wohnstifts angelegt wird.

Teamarbeit und professionelle Anleitung

Den persönlichen Ausdrucksmöglichkeiten sind kaum Grenzen gesetzt, dafür sorgt die Keramikerin und Kunsttherapeutin Terese Wirth. Die Kursleiterin hat für jedes Projekt eine passende Technik parat und berät die Teilnehmerinnen individuell, vom richtigen Zusammensetzen der Einzelteile über das fachgerechte Glasieren bis hin zum Brennen im Profi-Ofen. „Es geht um die Kreativität, das Spüren und Tasten, um Fingerfertigkeit und Konzentration“, so Wirth. „Die Hände werden ruhiger, man bekommt einen Blick für Formen und Proportionen“, bestätigen die Teilnehmerinnen. Teamarbeit steht hier an vorderster Stelle, nicht nur beim Austauschen von Ideen, sondern auch beim jährlichen Weihnachtsbasar, bei dem die Werke verkauft werden. Marianne Ritz betreut die Kurskasse. Wenn es beim Basar gut gelaufen ist, geht die Hälfte des Erlöses an den Hilfsfond des Hauses, mit der anderen Hälfte werden Ton, Farben und Glasuren gekauft.

20-jähriges Töpferjubiläum

Marianne Ritz ist am längsten dabei: Schon bald kann sie ihr 20-jähriges Töpferjubiläum feiern. Als sie mit 69 Jahren ins Augustinum zog, besuchte sie noch zusammen mit ihrem Mann die Töpferwerkstatt. Tiere waren sein Lieblingsthema: Igel, Seehund und Hund, Zebra und Katze, Esel, Elefanten und Nashörner auf den Regalen erinnern noch heute an den ehemaligen Kunstlehrer. Die meisten Teilnehmerinnen hatten jedoch früher kaum handwerklich gearbeitet. Erst im Augustinum entdeckten sie diese neue Leidenschaft für sich.

Raum für Gespräche in einer netten Gemeinschaft

„Wenn Sie backen können, können Sie auch töpfern“ – mit dieser Feststellung konnte die Töpfergruppe vor fünf Jahren Hermine Guggenberger überzeugen. Interessiert blättert die Dame gerade ein Fotoalbum durch: Es sind Erinnerungen von Erika Groth an ihre Zeit als einzige Röntgenassistentin im deutschen Rot-Kreuz-Hospital in Korea. Verena Knape packt währenddessen eine Reihe von Häkel- und Klöppelspitzen aus, die sie heute für Abdrucke verwenden will. Auch wenn das kreative Schaffen im Vordergrund steht, ist in der kleinen Töpferwerkstatt Raum für Gespräche. „Wir sind einfach eine nette Gemeinschaft“, sagen die Töpferdamen, während ihre Hände weiter kneten, streichen, schneiden und formen.