Menschen im Augustinum

Theater-Plauderei im Augustinum Überlingen

30. November 2012,

Lieselotte Noelle und Alfred Cogho, Bewohner im Augustinum Überlingen, sind seit 65 Jahren ein Paar. Kennengelernt haben sich die beiden Schauspieler als Darsteller in Lessings "Nathan der Weise".

Gut 60 Jahre standen Lieselotte Noelle und Alfred Cogho auf den Brettern, die die Welt bedeuten – heute genießen sie zusammen ihren Ruhestand im Augustinum Überlingen. „Wir haben es hier so schön am Ufer des Bodensees mit Blick aufs Wasser“, berichtet Lieselotte Noelle begeistert über ihr Appartement, in dem sie mit ihrem Mann Alfred Cogho seit sieben Jahren lebt. Weshalb ihr Ruhestand so wohlverdient ist, lässt sich leicht erklären: „Als Schauspieler ist nicht viel mit Ferien“, so Lieselotte Noelle.

Von 1945 an waren beide als Schauspieler am Deutschen Theater in Berlin engagiert. „Das Deutsche Theater war das einzige, das im Krieg von größeren Schäden verschont geblieben ist, und das erste, in dem wieder gespielt wurde“, erinnert sich Lieselotte Noelle. Als das Theater im September 1945 wiedereröffnet wurde, standen die Berliner Schlange, um Karten für die erste Aufführung zu bekommen.

Es gab Lessings „Nathan der Weise“, die damals 20-jährige Lieselotte Noelle und der 22-jährige Alfred Cogho wirkten als Darsteller mit und lernten sich hier auch kennen. „Wir haben uns zwar damals noch nicht so gemocht, aber wir haben dort beide eine glückliche Zeit nach dem Krieg genossen“, erzählt Lieselotte Noelle. Bald wurden sie dann aber doch ein Paar und sind inzwischen seit 65 Jahren zusammen.

Lieselotte Noelle und Alfred Cogho waren auf verschiedenen Ost- und Westberliner Bühnen, im Deutschen Theater, an der Volksbühne, an der Freien Volksbühne, an der Schaubühne und an der Tribüne zu sehen, aber auch im Fernsehen, wie 1959 in „Wahn in Boston“ und 1960 in der Märchenadaption „Rotkäppchen“.

„Oft werden wir gefragt, wann sieht man mal was von euch im Fernsehen?“, so die Schauspielerin, „aber damals war das alles ganz anders: Um acht Uhr ging das Theater los, und unser Spiel wurde live ins Fernsehen übertragen. Bei einer Wiederholung mussten alle Schauspieler wiederkommen und das Stück erneut spielen. Es gibt zwar Aufnahmen, die werden aber heute nicht mehr oder nur sehr selten gezeigt.“

Alfred Cogho war auch ein gefragter Fernsehschauspieler, da er, wie seine Frau sagt, „mit seinen dunklen Haaren in der damaligen DDR als westlicher Typ galt“. In Filmen wie „13 unter einem Hut“ (1950), „Generationen“ (1957) und „Wie die Wilden“ (1959) war Alfred Cogho auf dem Bildschirm zu bewundern.

Vor einigen Jahren beschlossen beide, sich als Schauspieler zurückzuziehen: „Jetzt wollten wir auch etwas von unserem Leben haben“, macht Lieselotte Noelle deutlich. Erst spät haben sie sich ein Auto gekauft, um auch etwas von der Welt zu sehen, und seit sieben Jahren genießen sie das Leben im Augustinum Überlingen.