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Hans-Erich Braunes Sonnenuhr im Augustinum Kassel

5. September 2012,

Hans-Erich Braune, Bewohner im Augustinum Kassel, liegen wissenschaftliche Rätsel am Herzen. Die von ihm konstruierte Sonnenuhr erfreut das Haus und alle die in ihm ein und ausgehen täglich aufs Neue.

Vor sechs Jahren zog Hans-Erich Braune mit seiner Frau Barbara ins Augustinum Kassel. Und seitdem erfreut sich das Haus der wissenschaftlich interessanten Arbeit des Diplom-Ingenieurs. So zum Beispiel an einer Sonnenuhr, die er eigens für die Wand des Wohnstifts baute und die dort seit fünf Jahren die Stunden anzeigt. Dass diesem Unterfangen eine komplizierte physikalische Berechnung vorausging, zeigt sich schon anhand der Skizzen, die Braune angefertigt hat. „Maßgebend für die Konstruktion dieser Sonnenuhr war ihr Platz an der nicht ganz nach Süden gerichteten Wand und der Breitengrad für Kassel mit 51 Grad und 20 Sekunden.

Dazu kam der Umstand, dass diese Wand nicht genau in Ost-West-Richtung verläuft, sondern in einem bestimmten Winkel davon abweicht“, erklärt Hans-Erich Braune. „Das heißt, wenn die Sonne genau im Süden steht, scheint sie nicht senkrecht auf die Wand, sondern etwas schräg. Die Stundenlinien der Sonnenuhr konnte ich wegen dieser Abweichung nicht symmetrisch um die senkrechte Mittelachse anlegen, sondern musste sie verzerren.“

Braunes Interesse an der Konstruktion einer Sonnenuhr hat bei einer Reise nach Burgund ihren Anfang genommen. Die Braunes besuchten dabei das Kloster Brou des Augustiner-Ordens in Bour-en-Bresse im Südosten Frankreichs. „Wir haben in diesem Kloster eine liegende Sonnenuhr aus Stein gesehen, die wohl um 1500 oder 1600 von den Mönchen erbaut wurde.

Darauf war eine Art Acht zu sehen, die in die zwölf Monate im Jahr unterteilt war, und auf der Platte befand sich ein Dreifuß mit dem Schattenwerfer“, erzählt Hans-Erich Braune. In der Reisegruppe erhob sich angesichts dieser merkwürdigen Konstruktion damals großes Rätselraten, bei Hans-Erich Braune führte das Erlebnis dazu, sich ausgiebig mit Theorien zum Entwurf von Sonnenuhren zu befassen.

Inzwischen hat er das Rätsel um die alte französische Sonnenuhr längst gelöst und ist dabei auch auf das Problem der Zeitgleichung gekommen. Diese betrifft die periodischen Schwankungen, denen die Länge des Sonnentages, gemessen von einem Tageshöchststand der Sonne zum nächsten, unterliegt.

So kompliziert wie dieses Phänomen wäre auch seine Darstellung in der Sonnenuhr geworden. Braune hat daher darauf bewusst verzichtet und meint: „Begnügen wir uns also mit der mittleren Genauigkeit der Anzeige ohne die Abweichungen durch die Zeitgleichung. Wer die Tageszeit ganz genau wissen möchte, der bedient sich heutzutage sowieso einer Funkuhr. Unsere Sonnenuhr aber bleibt immer noch eine schöne Spielerei im Umgang mit den Gegebenheiten unseres Sonnensystems.“

In einem anderen Punkt allerdings musste der Ingenieur dann doch genau vorgehen. So fällt bei den auf dem kreisförmigen Zifferblatt angegebenen Uhrzeiten unserer täglichen Sommerzeit auf, dass zum Beispiel der römischen XII als Sonnenstand im Süden die Uhrzeit 13.22 Uhr zugeordnet ist. Entsprechendes gilt für die anderen Stunden, die also immer mit einer Differenz von 1 Stunde 22 Minuten angegeben werden.

Hans-Erich Braune erläutert: „Über die Umstellung der Uhren im Sommer ergibt sich eine Verschiebung von einer Stunde. Die noch fehlenden 22 Minuten folgen daraus, dass wir in Deutschland ‚Görlitz-Zeit’ haben. Innerhalb Deutschlands ist es im Sommer nur auf dem Längengrad, der durch Görlitz geht, wirklich 13 Uhr, wenn die Sonne exakt im Süden steht. Vom Längengrad Görlitz bis zum Längengrad Kassel braucht die Sonne in ihrem Erdumlauf dann noch die weiteren 22 Minuten.“

Die 1,25m x 2,5m große Sonnenuhr von Hans-Erich Braune erfreut nicht nur Bewohner und Gäste des Augustinum, sie hat auch in der Wissenschaft Anerkennung erfahren. So schrieb der Physiker Daniel Roth, Vorstandsmitglied der Deutschen Gesellschaft für Chronologie, dem Erbauer: „Ihre Sonnenuhr ist ein geometrisch ansprechender Schmuck ohne den heutzutage vielerorts anzutreffenden Kitsch. Sicherlich haben Sie nichts dagegen, wenn wir Ihre Sonnenuhr in der nächsten Auflage unseres Sonnenuhrenkataloges veröffentlichen.“