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Hildegard Ehrlichs Puppenwelten im Augustinum Kleinmachnow

18. Juni 2012,

Hildegard Ehrlich aus dem Augustinum Kleinmachnow hat in der Herstellung von "Schmusepuppen" ihre große Leidenschaft entdeckt. Die kleinen kreativen Werke berühren jeden, der sie anschaut.

Am 1. April 2011 bekam das Augustinum mit dem Einzug von Hildegard Ehrlich und ihrem Mann Günter zwei neue und sehr kreative Bewohner, die buchstäblich die Puppen tanzen lassen. Hildegard Ehrlich hat in der Herstellung von „Schmusepuppen“, wie sie ihre Stücke nennt, eine große Leidenschaft gefunden, die mit viel Liebe zum Detail nicht nur die Aufmerksamkeit von vielen Kindern, sondern auch die der Erwachsenen weckt, und sie berichtet, dass sie ihre Puppen schon auf diversen Ausstellungen und sogar im Künstlerforum in Kassel gezeigt hat.

Am Beginn ihres Hobbys stand die Anfertigung von Kasperlpuppen, wie man sie aus dem Puppentheater kennt. „Ich habe selbst einen Kasperl genäht, weil die kommerziellen Figuren alle so fürchterlich aussahen. Und meine Töchter haben ihn sehr gemocht“, erzählt Hildegard Ehrlich. So nahm die Geschichte ihren Lauf.

Zur Herstellung benutzt Hildegard Ehrlich grundsätzlich keine Kunststoffe, ihre „Schmusepuppen“ haben diesen Namen also wirklich verdient. Der Außenstoff besteht aus einem hautfarbenen Schweizer Baumwolltrikot und ist mit Schafswolle gefüllt. „Wenn Kinder meine Puppen in den Arm nehmen, sagen sie immer gleich, wie warm und weich sie sind“, erzählt sie. Neben dem hochwertigen Material gibt es weitere Kriterien für die Kinderfreundlichkeit.

So wird jede Puppe aus einem Stück hergestellt, „denn bei Puppen aus mehreren Teilen wird der Kopf durch das Spielen normalerweise irgendwann locker und fängt an zu wackeln.“ Um Risse im Stoff zu vermeiden, verwendet sie zum Modellieren bzw. Abbinden des Kopfes ein spezielles Kettgarn, das glatt und dadurch besonders schonend zum Stoff ist.

Die Haare werden einzeln auf das Puppenköpfchen genäht. „Ich verwende dazu nur Schaf- oder Mohairwolle“, erklärt Hildegard Ehrlich, daher können Eltern unbesorgt sein, selbst wenn ein Kind versehentlich ein Haar verschlucken sollte. Für eine einzige Puppe braucht Hildegard Ehrlich mehrere Tage. Das liegt auch daran, dass sie Kleider, Schuhe und andere Accessoires selbst näht und strickt.

Dass es sich dabei um mehr als ein einfaches Hobby handelt, zeigt sich in den äußerst sorgsamen und mit viel Liebe zum Detail gestalteten Ergebnissen. „Ich habe auch 13 Jahre lang Kurse zur Puppenherstellung gegeben“, erläutert sie ihre Kennerschaft.

Auch Günter Ehrlich entdeckte im Ruhestand sein Interesse am Hobby seiner Frau. Als Oberstudiendirektor war er mit handwerklicher Arbeit nicht sehr in Berührung gekommen. Doch heute stellt er das Umfeld für die Puppen her, auch für Puppenkalender, die seine Frau ebenfalls anfertigt. „Die Themen der Kalender waren unter anderem ´Kinder dieser Welt`, ´Märchen` und ´Zirkus`, und die Requisiten auf den Bildern stammen alle von meinem Mann“, sagt Hildegard Ehrlich und ist merklich stolz auf das inzwischen voll erwachte Interesse ihres Mannes und dessen Unterstützung.

„Für meine Ausstellungen hat er mir sogar einen kleinen Kaufladen gebaut, auf dem ich meine Puppen wunderbar platzieren kann. Und als Anziehungspunkt für die Kinder hat er noch ein großes Kettenkarussell angefertigt.“ Die aus Holz gezimmerten Puppenstuben und Kulissen bieten einen idealen Rahmen für die Ausstellungen, bei denen die Einzelstücke von Hildegard Ehrlich auch zu erwerben sind.

Einzelteile für ein Exemplar und eine Anleitung sind dort ebenfalls zu erhalten. „Es gibt das Material für genau eine Puppe und eine Anleitung dazu. Dennoch kommen die Leute manchmal zu mir und sind verzweifelt, weil sie nicht weiterkommen. Aber ich helfe Ihnen dann immer sehr gerne“, berichtet die hilfsbereite Dame.

Im Oktober konnten auch die Bewohner des Augustinum Kleinmachnow die Puppen und 34 liebevoll gestaltete Bilder bewundern. Auch wenn die Puppen von Hildegard Ehrlich nicht lachen, so berühren sie doch jeden, der sie anschaut. „Sie lachen nicht, weil man sie auch lieb haben soll, wenn man traurig ist. Und wenn man in so einem Moment angelacht würde, würde man sie einfach nicht mögen“, meint die Künstlerin und weiter: „Puppen sind etwas ganz Besonderes und an ihnen muss man einfach seine Freude haben.“