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Autor und Politiker: Dieter Lattmann im Augustinum München-Nord

29. Januar 2013,

Für Dieter Lattmann, Bewohner im Augustinum München-Nord, gehören politisches Engagement und literarisches Schaffen zusammen. Der Schriftsteller war Mitglied im Bundestag.

Als „politisch-literarische Mehrzweckfigur“ hat sich Dieter Lattmann selbst einmal bezeichnet und damit sein doppeltes Wirken als Autor und als Kulturpolitiker beschrieben. Die Begeisterung für das Schreiben hat er schon in seiner Jugend entdeckt.

„Zunächst habe ich Verse geschrieben, mit Anfang 20 konnte ich schon diverse Erzählungen in der Süddeutschen Zeitung veröffentlichen“, berichtet der Autor. 15 Jahre lang arbeitete er in Verlagen, bevor er sich ganz dem Schreiben widmete: „Ich wollte Schriftsteller werden, das war immer mein Ziel.“

Die ersten großen Bücher erschienen in den 50er und 60er Jahren: „Die gelenkige Generation“ (1957), „Ein Mann mit Familie“ (1962), „Mit einem deutschen Pass. Tagebuch einer Weltreise“ (1964) und „Schachpartei“ (1968), Werke, die vorzugsweise im Nachkriegsdeutschland angesiedelt sind und häufig autobiographische Erfahrungen enthalten.

Neben das Schreiben trat zunehmend auch das soziale Engagement, zunächst als Präsident der Bundesvereinigung deutscher Schriftstellerverbände. Dieter Lattmann erinnert sich: „Ich war noch nicht lange Mitglied im bayerischen Schriftstellerverband, als ich gebeten wurde, den Vorsitz der Bundesvereinigung zu übernehmen.

Tatsächlich wurde ich der neue Präsident, und einer in der Runde rief ‚habemus papam’. Mir wurde bald klar, welcher Ohnmacht ich da präsidierte, und ich beschloss mit Freunden wie Günter Grass, Martin Walser, Heinrich Böll, Ingeborg Drewitz und Thaddäus Troll, diese Ohnmacht zu beseitigen.“

So entstand 1969 unter dem Motto „Ein Schriftstellerverband ist stärker als dreizehn“ (damals gab es elf Länderverbände, einen Verband für Übersetzer und einen Dramatikerverband) der Verband deutscher Schriftsteller oder, mit den Worten von Lattmann, die „Einigkeit der Einzelgänger“.

Bis 1974 blieb er Vorsitzender des Verbandes, 1972 wurde er Mitglied des Bundestages. In die Politik ging er aus einem bestimmten Grund: „Wir wollten ein Künstlersozialgesetz durchsetzen. So bin ich einer Partei beigetreten und war als Abgeordneter für die SPD im Wahlkreis Kempten-Allgäu tätig.“

Um die Bevölkerung im Allgäu möglichst gründlich kennenzulernen, arbeitete Dieter Lattmann in verschiedensten Positionen. „Ich war auf einer Alm als Gschwender, also als Unkrautmäher. Aber auch als Verkäufer in Kaufhäusern in Kempten oder in einer Behindertenwerkstatt war ich anzutreffen.“ Die Künstlersozialversicherung hat er, wie er sagt, „sieben Jahre lang durch den Bundestag getragen“. Als das Gesetz 1980 verabschiedet war, ist Lattmann zu seinem Schriftstellerberuf zurückgekehrt.

Die schriftstellerische und politische Arbeit gehören für ihn untrennbar zusammen. Das macht Lattmann auch im Titel seiner 2006 erschienenen Autobiographie „Einigkeit der Einzelgänger“ deutlich, und er ist sich sicher: „Wer Schriftsteller werden möchte, sollte sich gesellschaftspolitisch engagieren.

Jeder hat seine eigene Mitverantwortung gegenüber dem Grundgesetz. Es ist wichtig, sich zu engagieren und in Diskussionen einzubringen.“ Bis heute arbeitet Dieter Lattmann weiter als Schriftsteller, er verfasst regelmäßig kleinere Schriften und hält Vorträge im Augustinum München-Nord.

„Die Zeichen stehen auf Abschied und Ankunft“, sagte er anlässlich seines Einzugs im Augustinum. Angekommen ist er längst und wurde auch eine feste Größe im Kulturprogramm des Hauses. Zu seinen Bücherstunden über „Autoren und Werke“, „Entstehung eines Romans“ oder „Ost-West-Deutsche Beziehungen“ kamen bis zu 80 Mitbewohner.