Aktuelles

Reisen in ferne Länder und ferne Zeiten

6. Dezember 2012,

Anna Maria Wolfes, Bewohnerin im Augustinum Bad Soden, bereiste fast die ganze Welt. Gerne teilt sie Wissen und Erfahrungen in ihren vielbesuchten Vorträgen.

Als Anna Maria Wolfes 2005 mit ihrem Ehemann in das Augustinum Bad Soden zog, brachte sie ein Leben voller Vielfalt und spannender Geschichten mit. „Wenn heute im Augustinum aushängt, dass ich eine Lesung halte, ist der Saal für gewöhnlich voll“, erzählt sie.

Und das mit Recht: Immerhin bereiste sie, aus beruflichen Gründen als Diplom-Übersetzerin oder privat, mit ihrem Mann oder ganz alleine, fast die ganze Welt. „Ich bin 40 Jahre lang gereist und habe alle Kontinente gesehen. Doch das Aufregendste für mich war meine dreiwöchige Reise nach Japan. Und das alleine!“.

„Jeden Morgen, wenn ich aufstehe, denke ich mir: Mach das Beste aus deinem Tag“, sagt Anna Maria Wolfes. Diese Einstellung hängt auch mit dem Tod ihres Mannes vor zwei Jahren zusammen, mit dem sie „eine wunderbare Ehe“ verband und der sie auf vielen ihrer Reisen begleitet hatte. „Ich war in Peru und in 4.000 Metern Höhe in der wundervollen Inka-Stätte Machu Picchu in den Anden.

Die letzten Meter in einer solchen Höhe muss man langsam steigen und gut atmen, das wusste ich durch die Bergwanderungen mit meinem Mann in der Schweiz“, berichtet die reisefreudige Dame. „Die Damen und Herren aus der Reisegruppe gingen in schnellem Tempo an mir vorbei, und ich wusste schon, dass sie oben mit Beschwerden würden rechnen müssen. Als sie mich ohne Atembeschwerden sahen, konnten sie das nicht begreifen. Ich hatte langsam einen Schritt vor den anderen gesetzt und bewusst ein- und ausgeatmet. Die anderen Teilnehmer waren immerhin 30 Jahre jünger als ich, und da konnte ich mir ein Lächeln nicht verkneifen!“

Mit 86 Jahren reist Anna Maria Wolfes nicht mehr um die ganze Welt, aber sie hat Freude daran, sich über die Kulturen ferner Länder zu informieren und teilt ihr neu erworbenes Wissen mit zahlreichen Zuhörern im Augustinum Bad Soden. In einem Vortrag über „Versunkene Kulturen“ berichtete sie darüber, wie unsere heutige Kultur von alten Zivilisationen, etwa der babylonischen, beeinflusst ist.

Städtebau und Straßen, Schrift und Geld, Bewässerung und Hochwasserschutz, Verwaltung und Militär haben hier ihre Wurzeln. Oder sie berichtete von einem Forschungsprojekt in Afrika, wo der Fußabdruck eines Urmenschen, wahrscheinlich einer Frau, gefunden wurde, die vor mehr als 120.000 Jahren die Dünen hinunter zum Meer gegangen ist.

Die Forscher „fanden auch die etwa 70.000 Jahre alten Knochen eines Nashorns, und da das Nashorn das Wappentier des Augustinum ist, habe ich das als kleinen Gag zum Schluss meiner Lesung genommen“, meint Anna Maria Wolfes schmunzelnd. Anna Maria Wolfes legt Wert darauf, nicht nur wie ein „Rückwärtsdenker“, wie sie selbst sagt, aus ihrer Vergangenheit zu erzählen, sondern auf aktuelle Themen hinzuweisen und sich mit ihnen auseinandersetzen. „Kultur der Vielfalt“, das Motto des 50-jährigen Jubiläums der Augustinum-Wohnstifte, heißt für sie auch, die Vielfalt von Kulturen kennenzulernen und zu verstehen.